Klassifizierung

Notiz: Dieser Artikel beschreibt die IFSC-Klassifizierung. Nationale Verbände können andere Systeme verwenden.

Behinderungen können sehr unterschiedlich sein und somit auch das Kletterniveau.  Um einen fairen Wettkampf zu gewährleisten, werden Athleten in Kategorien eingeteilt, in denen dann Athleten mit einem ähnlichen Einschränkungsniveau gegeneinander antreten. Im Paraklettern gibt es aktuell 10 verschiedene Kategorien:

  • Sehbehinderte Kategorien (B1, B2, B3)
  • Amputiert (AU1, AU2, AL1, AL2)
  • Neurologische / physiologische Einschränkungen (RP1, RP2, RP3)

Mit der steigenden Zahl hinter der Kategorie sinkt das Niveau der Einschränkung. Das bedeutet, dass B1-Athleten komplett blind sind un mit einer Augenbinde klettern, während B2 Athleten noch eine Sehschärfe von bis zu 2/60 und/oder ein Sichtfeld von bis zu 5 % besitzen. B3 Athleten besitzen eine Sehschärfe zwischen 2/60 und 6/60 und/oder ein Sichtfeld zwischen 5 und 20 %. Sehbehinderte Athleten haben zudem einen Guide am Boden, der ihnen Griffe und Bewegungen ansagt.

 

AU2: Unterarmamputation

AU1 Athleten haben nur einen funktionierenden Arm und klettern dynamisch. Präzise Fußarbeit ist notwendig, um den Körper günstig zu positionieren.

AU2 hat einen Arm mit einer Unterarmamputation, sodass der Athlet sozusagen anderthalb Arme zum klettern hat. Ihre Rechweite ist limitiert und Fingerlöcher oder Zangengriffe können mit dem eingeschränkten Arm nicht genutzt werden.

AL1 Athleten sitzem im Rollstuhl und haben keine Kontrolle über ihre untere Körperhälfte.

AU2 Athlet Thomas Meier (GER) mit Beinprothese (gestrecktes Bein)

Die Kategorie AL2 hat eine Beinamputation – egal in welcher Höhe. Das einzige Mindestkriterium in dieser Kategorie ist das Fußgelenk darf nicht mehr vorhanden sein. Die Athleten können selbst entscheiden, ob sie mit oder ohne Prothese klettern wollen. Kletterstile sind sehr unterschiedlich je nachdem ob eine Prothese genutzt wird oder nicht. Wenn der Athlet keine Prothese nutzt, ist es ein Unterschied, ob die Amputation unter- oder oberhalb des Knies erfolgt, denn der Stumpf unterhalb des Knies kann spezielle Hooks ermöglichen, die es im überhängenden Gelände etwas leichter machen.

RP Athleten haben neuroligische oder physiologische Einschränkungen, die sehr unterschiedlich sein können. Einige Athleten aus niedrigeren RP-Klassen benötigen einen Rollsthul während andere durch andere Faktoren eingeschränkt sind (Beweglichkeit, Koordination, Kraft). Die Kletterstile unter RP Athleten sind generell sehr unterschiedlich. Es befindet sich hier ein viel breiteres Spektrum an Behinderungen, die gegeneinander antreten, als im Vergleich zu anderen Kategorien.

Der Routenbau muss den jeweiligen Kategorien entsprechend angepasst werden, weitere Informationen zu diesem Thema sind hier zu finden.

Wie werden Athleten klassifiziert?

Vor offiziellen IFSC Wettkämpfen finden medizinische Untersuchungen für neue Athleten statt. Während dieser Untersuchungen bringen die Athleten medizinische Attests und Dokumente begutachtet und der Athlet wird diversen Tests unterzogen, um dann die Kategorie zu bestimmen.

Wie kann ich an Wettkämpfen teilnehmen?

Nehmt Kontakt zum nationalen Verband auf und fragt, ob es Paraclimbing-Strukturen gibt und wie man daran teilnehmen kann.

Wer darf nicht teilnehmen?

  • Athleten mit einem Sichtfeld von mehr als 20 % und/oder einer Sehschärfe von mehr als 6/60.
  • Taube oder hörbehinderte Personen
  • Organtransplantierte Personen
  • Intelektuell behinderte Personen (bei IFSC Wettkämpfen! Nationale Formate können abweichen)

In den aktuellen IFSC Regeln (2019) gibt es keine präzise festgelegte Mindestbehinderung für die meisten Kategorien

Merging

Damit ein solider Wettkampf stattfinde, hat die IFSC Mindestzahlen für Athleten festgelegt, damit eine Kagetorie starten kann. 5 Athleten aus 3 verschiedenen Ländern sind nötig, um bei einem Weltcup eine Kategorie starten zu lasssen, 6 Athleten aus 4 Ländern bei Weltmeisterschaften. Wenn weniger Athleten für eine Kategorie gemeldet sind, wird diese nicht für den Wettkampf geöffnet und würde nicht daran teilnehmen dürfen.
Da ein unfairer Wettkampf aber besser als kein Wettkampf ist, geben die Regeln die Möglichkeit, verschiedene Kategorien nach einem festgelegten Schema zusammen zu legen, damit mehr Teilnehmer vorhanden sind:

Merging Schema nach IFSC Regeln

Es gibt trotzdem noch Schlupflöcher im Schema: Wenn B3 oder RP3 nicht genügend Athleten hat, aber die links davon im Schema liegende Kategorie genügend Starter hat, werden B3 / RP3 nicht für den Wettkampf zugelassen. Probleme gibt es also immer auf der rechten Seite des Schemas, da es hier keine Kategorie mehr gibt, mit der sie zusammen gelegt werden könnten.

Wenn wir in die Statistiken blicken, sehen wir ganz klar, dass das Merging Schema oft benötigt wird – auch trotz Wachstum in den letzten Jahren: In Theorie hätten wir 20 Kategorien, wenn alle die Mindestanforderungen erfüllen würden. Die Weltmeisterschaft in Innsbruck 2018 hatte 12 Startkategorien und Medaillensätze, die WM 2019 in Briançon hatte 14 Medaillensätze. Es gibt also noch einigen Platz in unseren Kategorien …

Kategorien, die dazu tendieren (zu) wenig Teilnehmer zu haben:

Herren: AU1, AL1

Damen: AU1, AU2, AL1, AL2, RP1, RP2, RP3,B1, B2, B3