Routenbau

Je nach Behinderung sind die Schwierigkeiten und Stile (überhängend, senkrecht, traverierend, Sloper, Henkel, Verschneidungen) einer Route, die bewältigt werden können, sehr unterschiedlich. Wenn man nur auf die Kletterschwierigkeit blickt, starten Qualifikationsrouten für die Kategorien, die von Ihrer Beeinträchtigung besonders hart limitiert werden (RP1, AU1, AL1) bei 5c und kann für weniger stark eingeschränkte Kategorien (AL2, RP3) bis zu 8b in Finalrouten reichen.

In IFSC Wettkämpfen gibt es immer 2 Qualifikationsrouten und die besten Athleten kommen dann in die Finalrunde. Alle Schwierigkeiten, die hier notiert sind, wurden bei Wettkämpfen in Routen der Herren beobachtet (Damenrouten sind meist etwas leichter) und sind Schätzungen. Schwierigkeiten können sich über die Zeit ändern, auch sind Wettkampfrouten nicht so einfach zu bewerten, da ihre Schwierigkeit langsam ansteigt (kommerzielle Hallenrouten sind in der Regel homogen von Boden bis Umlenker) nd je nach Route sind auch nur wenige Athleten am Zielgriff angekommen und konnten eine Schätzung abgeben …

Paraclimbing Routenbauer bei der Arbeit

Wenn also die Frage ist, “Wie schwer muss ich klettern, um bei internationalen Paraclimbing Wettkämpfen teilnehmen zu können?”, so ist die Antwort komplex und beginnt mit “Es kommt darauf an …”.

AL1 (Rollstuhl, keine Kontrolle über die untere Körperhälfte) Athleten machen alle Züge nur aus den Armen. Überhängende Wände sind hier bevorzugt, damit die Beine nicht an der Wand entlang schleifen.

AL2 (beinamputiert) Athleten dürfen wählen, ob sie mit oder ohne Prothese klettern wollen. Routen müssen folglich auf eine Art geschraubt werden, dass es keinen Vorteil für links oder rechts oder mit/ohne Prothese gibt. Mehr Tritte können helfen hier alternative Körperpositionen anzubieten. Traversen und Verschneidungen können sehr trickreich für diese Athleten sein, Überhänge hingegen sind kein Problem. Schwierigkeiten reichen von 7a bis 8b in dieser Kategorie.

AU1 (Oberarmamputation) kann nur einen Arm zum klettern nutzen. Der Kletterstil ist also einarmiges dynamisches klettern. Traversen, Überhänge und weite Züge an großen Griffen sind nicht erwünscht in dieser Kategorie. Mehr Tritte kann Athleten helfen ihren Körper entschprechend zu positionieren, auch können so rechts/links Unterschiede ausgeglichen werden, denn es darf keinen Vorteil geben, ob nun die rechte oder linke Seite fehlt. Kletterschwierigkeiten reichen von 5c bis 6b in dieser Kategorie.

AU2 (Unterarmamputation) haben sozusagen anderthalb Arme zum klettern. Der Stumpf der amputierten Seite kann im Bezug auf Durchmesser, Länge und Schmerzresistenz sehr unterschiedlich sein und dies entscheided darüber, ob und wie der Stumpf zum einhaken verwendet werden kann. Die Nutzung von Fingerlöchern und Zangengriffe sind mit dem Stumpf nicht möglich, die Athleten sind zudem auf gute Fußarbeit angewiesen. Der Routenbau muss darauf achten, dass es keine Unterschiede zwischen rechts und links gibt, mehr Tritte helfen auch hier die Unterschiede auszugleichen. Schwierigkeiten rangieren in dieser Kategorie von 6b bis 7b in dieser Kategorie.

B1 (blind, keine Restsehfähigkeit, Augenbinde) Athleten können keine Griffe sehen und sind 100%ig auf ihren Guide am Boden angewiesen, der seinen Athleten durch die Wand lotst. Blinde Athleten erhalten zuvor (Video)demonstrationen der Routen, damit der Guide mit ihnen die Züge einüben, trainieren und visualisieren kann. B1 Athleten klettern sehr statisch und langsam, der Routenbau muss dynamische Züge vermeiden. Schwierigkeiten reichen von 6a bis 7a in dieser Kategorie.

B2, B3 (sehbehindert, Restsehfähigkeit vorhanden) können Teile der Routen selbst sehen, benötigen aber trotzdem einen Guide.  (Video)demonstrationen sind auch hier verfügbar wie in B1. Da B2 und B3 eine Restsehfähigkeit haben, können Sie effizienter und schneller als B1 Athleten klettern, trotzdem sind dynamische Züge zu vermeiden. Schwierigkeiten reichen von 6b bis 7b in diesen Kategorien.

RP1 Athleten haben schwerwiegende neurologische oder physiologische Einschränkungen die mehr oder weniger den gesamten Körper betreffen. Diese Behinderungen können sehr unterschiedlich sein: Bewegungsspielraum, Koordination, Beweglichkeit, Kraft. Routenbauer müssen immer mehrere Möglichkeiten in einer Rout anbieten, mehr Tritte kann eine gute Hilfe sein, die Unterschiede so gut wie möglich auszugleichen. Im Vergleich zu anderen Kategorien bietet die RP1 ein sehr weites Feld an Einschränkungen, manche Athleten benötigen einen Rollstuhl, der Kletterstil ist sehr statisch und langsam. Schwierigkeiten reichen von 5c bis 6c in dieser Kategorie.

RP2 Athleten haben mittlere neurologische oder physiologische Einschränkungen. Im Vergleich zu RP1 sind die Behinderungen weniger stark und betreffen nicht so viele Teile des Körpers. Schwierigkeiten reichen von 6b bis 7b in dieser Kategorie.

RP3 Athleten haben nur kleine Einschränkungen und können “normale” Routen klettern. Schwierigkeiten reichen von 7a bis 8b in dieser Kategorie.

Für alle Kategorien gilt immer, dass der Routenbau den Beginn der Routen leicht gestaltet um Grounder zu vermeiden. Die Schwierigkeiten steigen zum Umlenker hin immer weiter an, damit eine gute Separierung unter den Athleten erfolgt.

Wenn Wände steil sind, werden 2 Topropes verwendet. Eines vom obersten Umlenker und ein zweites von weiter unten, um Grounder oder große Pendelstürze im Beginn der Route zu vermeiden.

In diesem Fall sind 2 Topropes installiert. So werden Grounder oder Pendelstürze (hier möglicherweise in die Hebebühne) vermieden