   {"id":29,"date":"2020-01-11T17:49:42","date_gmt":"2020-01-11T17:49:42","guid":{"rendered":"https:\/\/paraclimbing.org\/de\/?page_id=29"},"modified":"2023-07-16T22:28:39","modified_gmt":"2023-07-16T22:28:39","slug":"routenbau","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/paraclimbing.org\/de\/routenbau\/","title":{"rendered":"Routenbau"},"content":{"rendered":"<p>Je nach Behinderung sind die Schwierigkeiten und Stile (\u00fcberh\u00e4ngend, senkrecht, traverierend, Sloper, Henkel, Verschneidungen) einer Route, die bew\u00e4ltigt werden k\u00f6nnen, sehr unterschiedlich. Wenn man nur auf die Kletterschwierigkeit blickt, starten Qualifikationsrouten f\u00fcr die Kategorien, die von Ihrer Beeintr\u00e4chtigung besonders hart limitiert werden (RP1, AU1, AL1) bei 5c und kann f\u00fcr weniger stark eingeschr\u00e4nkte Kategorien (AL2, RP3) bis zu 8b in Finalrouten reichen.<\/p>\n<p>In IFSC Wettk\u00e4mpfen gibt es immer 2 Qualifikationsrouten und die besten Athleten kommen dann in die Finalrunde. Alle Schwierigkeiten, die hier notiert sind, wurden bei Wettk\u00e4mpfen in Routen der Herren beobachtet (Damenrouten sind meist etwas leichter) und sind Sch\u00e4tzungen. Schwierigkeiten k\u00f6nnen sich \u00fcber die Zeit \u00e4ndern, auch sind Wettkampfrouten nicht so einfach zu bewerten, da ihre Schwierigkeit langsam ansteigt (kommerzielle Hallenrouten sind in der Regel homogen von Boden bis Umlenker) nd je nach Route sind auch nur wenige Athleten am Zielgriff angekommen und konnten eine Sch\u00e4tzung abgeben \u2026<\/p>\n<figure id=\"attachment_217\" aria-describedby=\"caption-attachment-217\" style=\"width: 351px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/paraclimbing.org\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/routesetting-20191109_130310-scaled.jpg\" data-rel=\"lightbox-image-0\" data-rl_title=\"\" data-rl_caption=\"\" title=\"\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-217 size-medium\" src=\"https:\/\/paraclimbing.org\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/routesetting-20191109_130310-351x450.jpg\" alt=\"\" width=\"351\" height=\"450\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-217\" class=\"wp-caption-text\">Paraclimbing Routenbauer bei der Arbeit<\/figcaption><\/figure>\n<p>Wenn also die Frage ist, &#8222;Wie schwer muss ich klettern, um bei internationalen Paraclimbing Wettk\u00e4mpfen teilnehmen zu k\u00f6nnen?&#8220;, so ist die Antwort komplex und beginnt mit &#8222;Es kommt darauf an \u2026&#8220;.<\/p>\n<p>AL1 (Rollstuhl, keine Kontrolle \u00fcber die untere K\u00f6rperh\u00e4lfte) Athleten machen alle Z\u00fcge nur aus den Armen. \u00dcberh\u00e4ngende W\u00e4nde sind hier bevorzugt, damit die Beine nicht an der Wand entlang schleifen.<\/p>\n<p>AL2 (beinamputiert) Athleten d\u00fcrfen w\u00e4hlen, ob sie mit oder ohne Prothese klettern wollen. Routen m\u00fcssen folglich auf eine Art geschraubt werden, dass es keinen Vorteil f\u00fcr links oder rechts oder mit\/ohne Prothese gibt. Mehr Tritte k\u00f6nnen helfen hier alternative K\u00f6rperpositionen anzubieten. Traversen und Verschneidungen k\u00f6nnen sehr trickreich f\u00fcr diese Athleten sein, \u00dcberh\u00e4nge hingegen sind kein Problem. Schwierigkeiten reichen von 7a bis 8b in dieser Kategorie.<\/p>\n<p><em>AU1 (Oberarmamputation) kann nur einen Arm zum klettern nutzen. Der Kletterstil ist also einarmiges dynamisches klettern. Traversen, \u00dcberh\u00e4nge und weite Z\u00fcge an gro\u00dfen Griffen sind nicht erw\u00fcnscht in dieser Kategorie. Mehr Tritte kann Athleten helfen ihren K\u00f6rper entschprechend zu positionieren, auch k\u00f6nnen so rechts\/links Unterschiede ausgeglichen werden, denn es darf keinen Vorteil geben, ob nun die rechte oder linke Seite fehlt. Kletterschwierigkeiten reichen von 5c bis 6b in dieser Kategorie. (Bitte beachten: AU1 wurde mit dem Start der Saison im Jahr 2023 aufgel\u00f6st und klettert innerhalb der RP1-Klasse. Neu daf\u00fcr seit 2023 ist AU3.)<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>AU2 (Unterarmamputation oder Gliedma\u00dfenverlust) haben sozusagen anderthalb Arme zum klettern. Der Stumpf der amputierten Seite kann im Bezug auf Durchmesser, L\u00e4nge und Schmerzresistenz sehr unterschiedlich sein und dies entscheided dar\u00fcber, ob und wie der Stumpf zum einhaken verwendet werden kann. Die Nutzung von Fingerl\u00f6chern und Zangengriffe sind mit dem Stumpf nicht m\u00f6glich, die Athleten sind zudem auf gute Fu\u00dfarbeit angewiesen. Der Routenbau muss darauf achten, dass es keine Unterschiede zwischen rechts und links gibt, mehr Tritte helfen auch hier die Unterschiede auszugleichen. Schwierigkeiten rangieren in dieser Kategorie von 6b bis 7b in dieser Kategorie.<\/p>\n<p>AU3 (Fingeramputation oder Gliedma\u00dfenverlust) haben Einschr\u00e4nkungen an Fingern und\/oder Hand. Funktionsf\u00e4hige Handgelenke sind vorhanden im Vergleich zu AU2. Routenbau sollte rechts\/links-Unterschiede vermeiden wie auch Fingerl\u00f6cher oder Zangen.<\/p>\n<p>B1 (blind, keine Restsehf\u00e4higkeit, Augenbinde) Athleten k\u00f6nnen keine Griffe sehen und sind 100%ig auf ihren Guide am Boden angewiesen, der seinen Athleten durch die Wand lotst. Blinde Athleten erhalten zuvor (Video)demonstrationen der Routen, damit der Guide mit ihnen die Z\u00fcge ein\u00fcben, trainieren und visualisieren kann. B1 Athleten klettern sehr statisch und langsam, der Routenbau muss dynamische Z\u00fcge vermeiden. Schwierigkeiten reichen von 6a bis 7a in dieser Kategorie.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/paraclimbing.org\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/routesetting-20191109_125047-scaled.jpg\" data-rel=\"lightbox-image-1\" data-rl_title=\"\" data-rl_caption=\"\" title=\"\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-216 size-medium\" src=\"https:\/\/paraclimbing.org\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/routesetting-20191109_125047-253x450.jpg\" alt=\"\" width=\"253\" height=\"450\" \/><\/a>B2, B3 (sehbehindert, Restsehf\u00e4higkeit vorhanden) k\u00f6nnen Teile der Routen selbst sehen, ben\u00f6tigen aber trotzdem einen Guide.\u00a0 (Video)demonstrationen sind auch hier verf\u00fcgbar wie in B1. Da B2 und B3 eine Restsehf\u00e4higkeit haben, k\u00f6nnen Sie effizienter und schneller als B1 Athleten klettern, trotzdem sind dynamische Z\u00fcge zu vermeiden. Schwierigkeiten reichen von 6b bis 7b in diesen Kategorien.<\/p>\n<p>RP1 Athleten haben schwerwiegende neurologische oder physiologische Einschr\u00e4nkungen die mehr oder weniger den gesamten K\u00f6rper betreffen. Diese Behinderungen k\u00f6nnen sehr unterschiedlich sein: Bewegungsspielraum, Koordination, Beweglichkeit, Kraft. Routenbauer m\u00fcssen immer mehrere M\u00f6glichkeiten in einer Rout anbieten, mehr Tritte kann eine gute Hilfe sein, die Unterschiede so gut wie m\u00f6glich auszugleichen. Im Vergleich zu anderen Kategorien bietet die RP1 ein sehr weites Feld an Einschr\u00e4nkungen, manche Athleten ben\u00f6tigen einen Rollstuhl, der Kletterstil ist sehr statisch und langsam. Schwierigkeiten reichen von 5c bis 6c in dieser Kategorie.<\/p>\n<p>RP2 Athleten haben mittlere neurologische oder physiologische Einschr\u00e4nkungen. Im Vergleich zu RP1 sind die Behinderungen weniger stark und betreffen nicht so viele Teile des K\u00f6rpers. Schwierigkeiten reichen von 6b bis 7b in dieser Kategorie.<\/p>\n<p>RP3 Athleten haben nur kleine Einschr\u00e4nkungen und k\u00f6nnen &#8222;normale&#8220; Routen klettern. Schwierigkeiten reichen von 7a bis 8b in dieser Kategorie.<\/p>\n<p>F\u00fcr alle Kategorien gilt immer, dass der Routenbau den Beginn der Routen leicht gestaltet um Grounder zu vermeiden. Die Schwierigkeiten steigen zum Umlenker hin immer weiter an, damit eine gute Separierung unter den Athleten erfolgt.<\/p>\n<p>Wenn W\u00e4nde steil sind, werden 2 Topropes verwendet. Eines vom obersten Umlenker und ein zweites von weiter unten, um Grounder oder gro\u00dfe Pendelst\u00fcrze im Beginn der Route zu vermeiden.<\/p>\n<figure id=\"attachment_220\" aria-describedby=\"caption-attachment-220\" style=\"width: 1024px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/paraclimbing.org\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/briancon-20170726_212932-2-scaled.jpg\" data-rel=\"lightbox-image-2\" data-rl_title=\"\" data-rl_caption=\"\" title=\"\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-220 size-large\" src=\"https:\/\/paraclimbing.org\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/briancon-20170726_212932-2-1024x727.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"727\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-220\" class=\"wp-caption-text\">In diesem Fall sind 2 Topropes installiert. So werden Grounder oder Pendelst\u00fcrze (hier m\u00f6glicherweise in die Hebeb\u00fchne) vermieden<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mehr Informationen zum Thema Paraklettern und Routenbau ist in den offiziellen IFSC <a href=\"https:\/\/www.ifsc-climbing.org\/index.php\/2-uncategorised\/448-paraclimbing-resources\">Routenbau Richtlinien<\/a> zu finden.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Je nach Behinderung sind die Schwierigkeiten und Stile (\u00fcberh\u00e4ngend, senkrecht, traverierend, Sloper, Henkel, Verschneidungen) einer Route, die bew\u00e4ltigt werden k\u00f6nnen, sehr unterschiedlich. 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